Download Identität und Rolle: Kontext, Konzept und Wirkungsgeschichte by Thomas Grosser PDF

By Thomas Grosser

Die bislang unberücksichtigt gebliebene Vorstellung von einer "synthetischen Person", die einen "inneren Plural" ausbildet und so "in mehreren Personen zerteilt, doch auch eine zu sein vermag", steht im Zentrum der frühromantischen Genieästhetik des Novalis. Diese in der Auseinandersetzung mit Fichte entwickelte Denkfigur ist eng verzahnt mit der Salonkultur und literarischen Gruppenbildung um 1800, aber auch mit der naturphilosophischen Enzyklopädistik und der poetischen Praxis. Mit ihr erweist sich Novalis - überdie Vermittler Dilthey und Simmel - als Vorläufer moderner, rollensoziologisch differenzierter Identitätskonzepte. Als genauer Beobachter der Entwicklungsdynamik und Komplexitätssteigerung der Moderne erscheint er zugleich auch als Anwalt einer reflektierten Pluaralität, deren Akzeptanz gerade in der aktuellen Diskussion um die Postmoderne den zentralen Fluchtpunkt eines zeitadäquaten Seltbstverständnisses bildet.

Show description

Read or Download Identität und Rolle: Kontext, Konzept und Wirkungsgeschichte der Genieästhetik bei Novalis PDF

Similar humanism books

Immortality and the Philosophy of Death

Loss of life comes for us all – finally. Philosophers have lengthy been at a loss for words by way of how we should suppose approximately demise. many folks worry loss of life and think that dying is undesirable for the individual that dies. yet is dying undesirable for us, and if that is so, how is its badness top defined? If we don't live on dying –if dying is just a nation of nothingness – how can loss of life be undesirable for us?

Dual-Process Theories in Moral Psychology: Interdisciplinary Approaches to Theoretical, Empirical and Practical Considerations

This anthology bargains a different number of contributions targeting the dialogue in regards to the so-called dual-process theories in the box of ethical psychology. commonly, dual-process theories kingdom that during cognitive platforms, kinds of strategies could be differentiated: an affective, associative method and an analytical, rule-based method.

The Roots of Thinking

During this ground-breaking interdisciplinary research approximately conceptual origins, Maxine Sheets-Johnstone indicates that there's an indissoluble bond among hominid pondering and hominid evolution, a bond cemented through the residing physique. Her thesis is concretely illustrated in 8 paleoanthropological case reviews starting from tool-using/tool-making to counting, sexuality, illustration, language, loss of life, and cave paintings.

Additional resources for Identität und Rolle: Kontext, Konzept und Wirkungsgeschichte der Genieästhetik bei Novalis

Sample text

Aber so soll es sein! Dieser Charakter des bekannteren Teils des Menschengeschlechts ist gewiß ein Vorbote außerordentlicher Dinge. 148 Angesichts dieses inneren Ungleichzeitigkeitsgefälles und der Widersprüche der Gegenwart, die sich in ihrem chiastischen Bezug aufeinander zugleich gegenseitig aneinander halten, erscheint Hölderlin die ahistorisch-formalistische Theoriebildung Kants, auf die Schiller sich ja auch bezogen hatte, als ein zeitbedingter Reflex auf die Heterogenität der Gegenwart, die sich gerade in der Fragmentierung der Individuen niederschlägt.

Unvernünftige Klugheit, unkluge Vernunft! Geistlose Empfindung, empfindungsloser Geist! Geschichte, Erfahrung, Herkommen ohne Philosophie, Philosophie ohne Erfahrung! [... ) Man könnte die Litanei von Sonnenaufgang bis um Mitternacht fortsetzen und hätte kaum ein Tausendteil des menschlichen Chaos genannt. Aber so soll es sein! Dieser Charakter des bekannteren Teils des Menschengeschlechts ist gewiß ein Vorbote außerordentlicher Dinge. 148 Angesichts dieses inneren Ungleichzeitigkeitsgefälles und der Widersprüche der Gegenwart, die sich in ihrem chiastischen Bezug aufeinander zugleich gegenseitig aneinander halten, erscheint Hölderlin die ahistorisch-formalistische Theoriebildung Kants, auf die Schiller sich ja auch bezogen hatte, als ein zeitbedingter Reflex auf die Heterogenität der Gegenwart, die sich gerade in der Fragmentierung der Individuen niederschlägt.

Gesellschaftlichen] Teilsystemen gekennzeichnet ist, in der man sich aber noch nicht auf Erfahrungen mit gänzlich ausdifferenzierten Systemen stützen kann"; vgl. , S. 46, 72. , 18. Brief, S. 624 anvisierten Phänomene differenzierter hätten auf den Begriff bringen können. Andererseits existiert kein vermittelnder Intelligenztypus, der ein realgeschichtlich und gesellschaftspolitisch voll ausgebildetes und damit realitätsbezogenes Bewußtsein mit einer subtilen philosophischen Ausbildung hätte vereinigen können, um derartige Ansätze durch eine hinreichend komplexe Transformation etablierter Philosopheme auszugestalten.

Download PDF sample

Rated 4.76 of 5 – based on 46 votes